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News

29.06.2009 

Fundstück: Juni

Millionenklage

 

Radio Comedy aus Österreich: Telefonstreich des ORF „Callboys“ Gernot Kulis zum Thema twittern, googlen, emailen.

 

2:13 Minuten MP3 des ORF

05.06.2009 

Twitter: Immer auf dem Laufenden

Eine persönliche Einschätzung zum Phänomen Twitter von Dr. Jochen Robes

 

Mein erster Eintrag in Twitter (www.twitter.com) datiert vom 10. August 2008: „Relaxing. Gerade zurück von einem inspirierenden Wochenende in Appenzell“, schrieb ich damals, noch unsicher, wie privat ich mich auf diesem neuen Kanal geben sollte. Diese Unsicherheit hat sich bis heute nicht völlig gelegt. Ich habe seitdem 131 Nachrichten verfasst, das sind ungefähr 15 im Monat. Ich schreibe, aber mehr noch lese ich, was andere schreiben. Zwischendurch und bei Gelegenheit. Das ist meistens unterhaltsam, manchmal nervig („going for outdoor pizza"), aber immer wieder finde ich tolle Links, Hinweise und Unterhaltungen. Twitter ist wie ein Nachrichtenfluss, in den ich regelmäßig eintauche, den ich eine Weile verfolge und dann wieder aus den Augen verliere.

 

Das Phänomen Twitter

Twitter wird gerne als eine Verbindung von sozialem Netzwerk und Microblogging beschrieben. Die einzelnen Nachrichten werden als „Updates“ oder „Tweets“ (engl. to tweet = zwitschern) bezeichnet. Man hat maximal 140 Zeichen, um einen Gedanken loszuwerden, das ist Beschränkung und Reiz gleichermaßen. Die Twitter-Community lebt, weil man die Nachrichten anderer Personen abonnieren und ihnen somit folgen kann. Die Nachrichten der Personen, denen man folgt, werden in chronologischer Reihenfolge angezeigt. Man kann seine Nachrichten auf der Startseite von Twitter eingeben, aber der Dienst steht über entsprechende Programmierschnittstellen auch auf vielen anderen Kanälen zur Verfügung. Ich nutze z.B. iGoogle als persönliche Startseite und habe Twitter einen prominenten Platz, gleich neben Spiegel Online und anderen Nachrichtendiensten, eingerichtet.

Kaum ein Web 2.0-Tool hat in kurzer Zeit eine solche Verbreitung und Popularität erlangt wie Twitter. Gegründet im März 2006 nutzen heute mehrere Millionen Menschen den Dienst. In Deutschland sollen es zwar derzeit nicht mehr als 30.000 Nutzer mit aktivem Twitter-Account sein, aber das reicht, um auch hierzulande täglich Schlagzeilen zu produzieren. In wenigen Monaten ist aus einer überschaubaren Community ein globales Netzwerk geworden, das Unternehmen, Politiker, Wissenschaftler und vor allem „durchschnittliche“ User nutzen, um mit anderen Teilnehmern zu kommunizieren. Auch die Palette der Einsatzgebiete scheint grenzenlos: „Getwittert“ wird in Marketing, Kommunikation, in der Bildung, Politik, Information und Unterhaltung. Genauso vielfältig sind die Motive und Interessen der Nutzer.

Mehr und mehr Wissensarbeiter und –manager nutzen heute Twitter, um sich in ihren Netzwerken auf dem Laufenden zu halten. In Online-Profilen wird auf den eigenen Twitter-Kanal verwiesen, und man nutzt Twitter, um auf eigene Beiträge zu verlinken oder anzuzeigen, mit welchen Themen man sich aktuell beschäftigt. So ist z.B. Andrew McAfee, der den Begriff „enterprise 2.0“ geprägt hat, ein eifriger Twitterer und hat den Dienst  als einen seiner „two top 2008 technologies“ beschrieben (Twitter-Account: amcafee) . David Gurteen, renommierter Knowledge Management-Experte, schrieb neulich, dass er sich gar nicht mehr vorstellen könne, wie man ohne Blogs und Twitter auf dem Laufenden bleibt (DavidGurteen). Und Howard Rheingold, einer der Netz- und Community-Veteranen, hat gerade seine persönliche „Twitter-Literacy“ verfasst (hrheingold).  

 

Twitter und das persönliche Wissensmanagement

Das Interesse an Twitter richtet sich derzeit auf zwei Punkte: Zum einen geht es um die Frage, ob und wie Microblogging das persönliche Wissensmanagement unterstützen kann. Warum sollte man twittern? Warum sollte man sich für Twitter interessieren? Hier kann vor allem an die Arbeiten der Augsburger Medienpädagogin Gabi Reinmann angeknüpft werden: In einer aktuellen Übersicht und Kategorisierung unterscheiden sie und Martin J. Eppler verschiedene Methoden des persönlichen Wissensmanagements nach den Zielen, die mit ihrem Einsatz erreicht werden können. Je nachdem, ob Wissensarbeiter operative oder strategische Ziele erreichen wollen und ob die Aufgaben, die sie bewältigen müssen, eher effiziente oder eher innovative Lösungen verlangen, ergeben sich verschiedene Ziel- bzw. Anforderungsfelder. Mit Twitter scheint auf den ersten Blick vieles möglich: akutes Problemlösen (ich stelle eine kurze Frage an meine Follower und hoffe auf Antworten) wie langfristige Kompetenzentwicklung (ich halte mich in meinem Fachgebiet auf dem Laufenden) (Wissenswege. Methoden für das persönliche Wissensmanagement. Bern 2008).

An anderer Stelle hat Gabi Reinmann (zusammen mit Tamara Bianco) das Bloggen aus motivationstheoretischer Perspektive untersucht. Um zu erklären, warum es Blogs (bzw. Knowledge Blogs) gibt, fragt sie mit Hilfe der Selbstbestimmungstheorie nach den Bedürfnissen, die das Bloggen erfüllt. Dabei geht die Selbstbestimmungstheorie von drei Grundbedürfnissen aus: dem Bedürfnis nach Kompetenz, nach sozialer Eingebundenheit und nach Autonomie (Knowledge Blogs zwischen Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit. Universität Augsburg, Arbeitsbericht Nr. 17, 2008). Auch wenn sich die Schwergewichte im Vergleich zum Bloggen sicher verschieben, könnte dieses Schema einen interessanten Ausgangspunkt bilden, um der intrinsischen Motivation vieler Twitter-Nutzer auf die Spur zu kommen.

 

Corporate Twittering  

Der zweite Punkt betrifft die Frage, welche Bedeutung der neue Kanal für Unternehmen und Organisationen besitzt. Längst haben die Early Adapter auf Unternehmensseite entdeckt, dass sie auch auf diesem Weg mit ihren Zielgruppen kommunizieren können. Das Spektrum reicht von der Deutschen Bahn („Brückenarbeiten zwischen Bischofswerda und Arnsdorf“) bis Spiegel Online („Umweltwende in den USA: Obamas Klimaziele stehen auf der Kippe“).

Unter dem Schlagwort „Enterprise Microblogging“ werden zudem bereits Diskussionen geführt, ob und wie Unternehmen Microblogging-Dienste in der internen Kommunikation nutzen können. Inzwischen bieten Dienste wie Yammer oder Communote speziell für diesen Einsatzzweck angepasste Lösungen an. Dirk Röhrborn (Communote) hat jüngst in einem Gespräch auf die besonderen Anforderungen hingewiesen, die das Twittern in Unternehmen mit sich bringt: „Der Erfolg von Twitter liegt in seiner Schnelligkeit und Offenheit. Dafür sind in Twitter selbst aber nur die Nachrichten weniger Tage im Nachhinein abrufbar. Unternehmen hingegen brauchen vor allem auch Vertraulichkeit, Zugriffsschutz, Themenfokussierung und die Möglichkeit zur Integration mit der Firmen-IT, z.B. via LDAP. Auch sollten es manchmal mehr als 140 Zeichen an Inhalten sein können. Der wesentliche Unterschied ist aber m.E. dass es in Firmen eben nicht nur auf den Austausch von Nachrichten, also “micromessaging” ankommt, sondern auch auf das dauerhafte Speichern und Weitergeben von Informationen, also “microsharing”.“ (nachzulesen auf centrestage, 25. April 2009, www.centrestage.de)

Vieles um Twitter ist gegenwärtig Hype und Übertreibung. Doch das größte Hindernis, das einer realistischen und offenen Einschätzung seiner Möglichkeiten entgegensteht, sind unsere liebgewonnenen Routinen und die Angst vor dem information overload. Zumindest das können wir aber steuern.